Navigation: Home / Blog Post Titel: Twitter. Blogs. Und was daraus werden könnte
morgenlandfahrt.net

April 15th, 2008

Wie kann man das Phänomen Twitter erklären? Auch in diesem noch relativ neuen Jahr empfinden Menschen Twitter immer noch oft als neuartig. Menschen, die den Service nicht kennen, können oftmals nicht verstehen, was die Faszination Twitter ausmacht. Cem Basman, der Serial Entrepreneur aus Hamburg, kam auf die Idee, acht recht bekannten Nutzern von Twitter einen Fragenkatalog vorzulegen. Ihre Antworten lassen einerseits ahnen, was die Faszination-Twitter ausmachen kann. Andererseits gewähren die ausgefüllten Fragebögen gerade für Aussenstehende einen interessanten Einblick in das Denken, Fühlen und Leben einer ganz speziellen, kreativen Klasse.

Faszination Twitter

Twitter macht Kommunikation schnell. Twitter zwingt Dich dazu, prägnant zu formulieren und Twitter zwingt Dich zuforderst auch dazu, Dir ersteinmal genau zu überlegen, was Du wie sagen willst. Takt und Inhalt sind ausgerichtet auf 140 Zeichen. Formatierungsmöglichkeiten und anderen SchnickSchnack gibt es nicht. Persönlich fing ich relativ spät an mit dem Twittern und ich war dem Medium gegenüber eher misstrauisch eingestellt. Andererseits war ich fasziniert davon, dass sich Leute, die ich kannte und die ich mochte, dass sich also viele dieser Leute so positiv über den Service äusserten. Nicht selten konnte man die pure Freude heraushören, wenn sie von ihren Erlebnissen auf Twitter berichtet haben. Ich wurde neugierig, begann selber mein TwitterLeben und erkannte sehr schnell, dass meine anfängliche Reserviertheit einmal mehr einer Herangehensweise entsprungen war, die durch allzu grosses Misstrauen Gefahr lief, Chancen erst gar nicht als solche wahrzunehmen. Ich twittere heute begeistert und finde mich als Freiberufler am meisten bei PickiHH (bürgerlich Martina Pickhardt) wieder, die im Fragebogen angab, dass die Twitterei teilweise auch Ersatz für ein Gegenüber ist, welches man als Freiberufler oft nicht hat. Wenn der systemkritisch, soziologisch vorgebildete, denkende Leser (ein wenig Ironie muss sein!) nun aber denkt, er hätte uns Techis (endlich) erwischt und wir wären doch nur vereinsamte Wesen, die permanent vor dem Rechner sitzen, dann greift dies eindeutig zu kurz. Ich habe es nicht gezählt, aber ich habe beispielsweise von sämtlichen interessanten neuen Services und Neuigkeiten der letzten Monate ausschliesslich und immer sehr sehr früh via Twitter erfahren. Ich erfahre Neuigkeiten, die es überhaupt nie in die normalen Nachrichtenkanäle schaffen, ich lese über den amerikanischen Wahlkampf, ich erfahre Näheres von den Unruhen in Tibet und China, ich lese von Eindrücken, die Freunde erfahren haben. Kurz: ich erfahre vieles über genau die Themen, die mich aktuell interessieren und ich erfahre von vielen Entwicklungen aus meiner Szene aus allererster Hand. Zusätzlich gewährt mir Twitter ein einfach zu handhabendes und effektives Tool, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben und quasi mitzuerleben, was gerade in deren Leben vor sich geht.

Der Einfluss von Twitter auf die Blogosphäre

Twitter wird häufig und nicht vollkommen zu Unrecht als MicrobloggingTool bezeichnet. Seit es Twitter und seine Brüder und Schwestern (Pownce, Jaiku & Co.) gibt, kann man eindeutig beobachten, dass die beinahe schon üblich gewordenen Dreizeiler in Blogs weniger werden. Man kann nun sagen, dass der Hype um das Thema Blogs vorbei ist. Ich finde das falsch. Im Gegenteil empfinde ich es als Bereicherung, dass man nun genau entscheiden kann, für welche Themen welches Medium am besten geeignet ist. Man kann Themen deutlicher besser kanalisieren. Twitter hat dabei seine Stärke in der Kürze der Nachricht und es lassen sich zudem konkrete Zielgruppen ansprechen. Blogs können dagegen komplexere Themen deutlich vielschichtiger aufbereiten und darstellen. Insofern werden meiner Meinung nach beide Angebote voneinander profitieren. Beide Tools stehen übrigens gerade hier in Deutschland meiner Meinung nach erst am Anfang ihres Wirkens.

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