Mai 8th, 2006
Heute hat es wieder begonnen. Auch in diesem Jahr steht in dieser Woche der Frühjahrsputz an. Ich habe mir heuer offenbar eine blöde Zeit herausgesucht. Im Frühjahr gibt es hier bei uns an der Bergstrasse alljährlich ein Naturschauspiel, welches zwar wunderschön anzusehen ist, was aber gleichzeitig nicht wirklich dazu angetan ist, meine Arbeit in Bezug auf den Putzerei leichter zu machen. Es sind Wolken von Blütenstaub und Pollen unterwegs, fliegen umher und setzen sich fest auf alles, was in der Landschaft herum steht und liegt. Die Autos, die nicht in einer Garage stehen, sind schon nach wenigen Minuten vollkommen zugeschneit; Fenster, Fensterbänke und aussen liegende Fliesen sind ebenfalls betroffen und wenn es dann noch relativ warm ist, verklebt diese Mischung aus Blüten und Pollen einfach zu einem gelben zähen Brei. In diesem Jahr habe ich mir für meinen Frühjahrsputz also offenbar genau die Hochphase dieses Naturschauspiels herausgesucht. Hmm, das ist ja dann wohl Schicksal. Normalerweise ist im Mai schon alles wieder lange vorüber, doch in diesem Jahr ist die Natur generell leicht verspätet in ihrer Entwicklung. Na ja, da muss ich dann wohl Geduld beweisen und hoffen, dass ich nicht bis zum Freitag brauche ..
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Mai 7th, 2006
Es gab Zeiten, da dachte ich, die Menschen in Deutschland und auch die politischen Gruppierungen hätte begriffen, dass wir ein Einwanderungsland sind. Seit ich denken kann, werden mit der Haltung zum Thema Zuwanderung Wahlen gewonnen und verloren. In diesen Tagen ist Zuwanderung und Integration wieder ein grosses Thema. Erneut kann man beobachten, wie die öffentliche Diskussion von der Betonung der Risiken geprägt ist. Chancen sieht offenbar niemand.
Ich bemerke nur höchst selten, dass wir gezielt und sachlich darüber reden, ob wir uns endlich dazu bekennen wollen, dass Deutschland längst ein Einwanderungsland ist und noch weniger trauen wir uns, Migration und Integration endlich aktiv zu gestalten. Immerzu reden Politiker darüber, dass sich Menschen hier integrieren müssen. Kaum jemand sagt, dass Integration nicht funtkioniert, wenn wir zwar einseitig von den hier lebenden ausländischen Menschen verlangen, sich zu unserer Kultur zu bekennen, gleichzeitig aber nur wenige Deutsche dazu bereit sind, sich diesen anfangs fremden Menschen auch ein Stück weit zu öffnen. Sollten nicht am besten möglichst viele Menschen bereit sein, neue Mitbürger an die Hand zu nehmen und ihnen unser Land begreiflich zu machen? Wir sollten unsererseits neugierig sein, was diese Menschen uns mitbringen und nicht immer nur verlangen, dass sie sich permanent selbst verleugnen. Können wir denn von anderen Menschen gar nichts lernen? Ist es so, dass wir nur etwas geben, wenn wir Menschen erlauben, sich bei uns niederzulassen oder bringen Menschen nicht auch Arbeitskraft mit, Ideen oder einfach Jugend in Form von Kindern? Ist es nicht auch so, dass wir von einem solchen Zusammenleben etwas lernen können, wenn wir dies nur wollten? Wäre also nicht eigentlich Zuwanderung ein Thema, welches im innersten Kern vor allem aus Geben und Nehmen bestehen müsste? Wie muss unsere inländische Diskussion zum Thema Zuwanderung auf jemanden wirken, der sich überlegt, sein Land zu verlassen und der weiter darüber nachdenkt, wo er für sich und seine Angehörigen eine sichere und gute Zukunft finden könnte? Fühlt sich ein solcher Mensch positiv angesprochen und entscheidet er sich frohen Herzens für Deutschland, weil er denkt, dass er hier für sich und seine Familie eine Zukunft sieht? Wie wirken wohl in diesem Kontext Formelkompromisse auf ihn, wie sie erst kürzlich von der Ministern der Bundesländer erzielt wurden? Hätte ich Lust, in ein solches Land auszuwandern? Sicher nicht!
In Deutschland sieht man in allem und jedem nur und einzig Risiken. Beinahe könnte man sagen, dass dies eine unselige Tradition hat, die leider von den meisten gesellschaftlichen Gruppen auch heute noch immer wieder bedient wird. Es macht mich schon sehr verzweifelt, wenn ich feststelle, wie oft wir im täglichen Leben uns selber und anderen beweisen, wie wenig zukunftsfähig wir doch sind und wie wenig offen. In Deutschland ist das Glas nicht halbleer, es ist ausgetrocknet. Wir müssen noch einen langen Weg gehen, um moderne und zukunftsfähige Konzepte nicht nur kopfmässig zu begreifen, sondern diese auch mit Optimismus zu leben.
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Mai 7th, 2006
Für Stunden in “Die Zeit” versunken. Ich las Beiträge über Familienpolitik, fand für mich neue Zusammenhänge, die mir woanders nicht aufgezeigt werden. Dies stelle ich immer wieder fest und alleine schon deshalb mag ich die Zeit soo gerne. Es ist selten geworden, dass ich einer Zeitung vollkommen vertraue und es dauert. Immer wieder muss man sich heutzutage ärgern, wenn man die immer gleichen oberflächlichen Informationsbrocken hingeschmissen bekommt und einem genauso oft Detailinformationen vorenthalten werden. “Die Zeit” ist anders. Gewiss, auch dieses alterwürdige, hanseatisch geprägte Blatt hat sich verändert, ist ein Stück weit mit der Zeit gegangen und huldigt mancherorts dem Zeitgeist. Ich empfinde dies aber gar nicht als falsch. Wo steht schliesslich geschrieben, dass man unmodern sein muss, um glaubwürdig zu sein?
“Die Zeit” entführt mich in faszinierende Welten. Wenn ich möchte, dann kann ich beispielsweise mit Wolfram Siebeck reisen und aktuell die WM Städte (neu)entdecken. Ich kann mich in die Rubrik Lesen stürzen und erfahren, “über was man gerade spricht”. Ich erfahre, was Frau Merkel gerade mit Herrn Bush bespricht und ich erfahre auch, was innenpolitisch nicht- oder falsch angegangen wird. “Die Zeit” hilft mir, mich zu orientieren, sie hilft mir auch, einfach nur Spass am Leben zu haben und mal abschalten zu können. Hoffentlich kommen schon bald wieder bessere Zeiten und wenn diese dann wirklich eines Tages anbrechen, werde ich so schnell als möglich wieder Abonnent werden, um auch die Papierausgabe geniessen zu können. Man gönnt sich ja sonst nichts.
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