Go to content Go to menu

In den letzten Monaten ist es schwer geworden, Blogs zu entdecken, die einfach Spaß machen. Allzu oft haben sich frühere Überzeugungstäter zu Kosten-Nutzen-Schreibern entwickelt. Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, dass erfolgreiche Schreiber sich überlegen, wie man Geld verdienen kann mit einem Blog. Allzu oft enden diese Überlegungen aber in einem Analytics gesteuerten Denken, Handeln, Schreiben und Tun. Inhalte kommen zu kurz, Oberflächliches nimmt zu.

In dieser Situation macht es mir besonders viel Spaß, wenn ich auf Blogs stosse oder diese wieder entdecke, die bewusst oder unbewusst diesem unseeligen Trend entgegenwirken. Jürgen Fenn betreibt mit schneeschmelze ein Blog, das ich voller Freude wiederentdeckt habe. Er schreibt und veröffentlicht »vermischte Schriften«, wie er das nennt. Obwohl das Blog gerade kein vordergründig vorhandenes stringent ausgeführtes Thema hat, macht es einfach Spaß, Beiträge zu lesen und das Blog einfach so zu durchstöbern. Die Beiträge sind aus Interesse verfasst worden und eben nicht, weil sie vielleicht viele Klicks bringen würden. Das so entstandene Niveau und die flüssige Schreibe heben sich wohltuend vom Einerlei vieler anderer Blogs ab, ohne das der Autor jemals in ein oberlehrerhaftes Dozieren verfällt.

Ich wünsche mir, dass es auf lange Sicht mehr Blogs gibt, deren Macher einfach drauflos schreiben und sich nicht zuuu sehr mit der Suche nach einem Geschäftsmodell befassen. Schliesslich gilt: Man muss nicht mit allem Geld verdienen.

2 Antworten auf " Wenn Blogs Seelennahrung sind"

  1. Jürgen schreibt am 1. November 2009

    Herzlichen Dank für Deine Meinung zur “schneeschmelze”. Es freut mich natürlich, wenn Dir mein Blog gefällt, das ja ursprünglich gar kein “richtiges Blog” sein sollte, sondern nur zur Dokumentation meiner Texte gedacht war, die im Laufe der Zeit an vielen Stellen im Netz verstreut worden waren. Zunächst begann ich damit, sie wieder einzusammeln, dann kamen immer öfter mehr oder weniger spontane Anmerkungen hinzu.

    Die “schneeschmelze” hat, davon abgesehen, kein weiteres Konzept, kein Thema, außer ihrem Motto, der persönlichen Selbstfindung und -vergewisserung. Deshalb können bei den Lesern auch keine Erwartungen entstehen, die erfüllt werden müßten oder die enttäuscht werden könnten.

    Entscheidend ist für mich gerade das unkommerzielle Schreiben, das Du ja auch hervorgehoben hast. “Echtes Bloggen” ist rein ideell, und es findet dort im Netz statt, wo es gerade hinpaßt, also nicht nur in Blogs, sondern auch in Mailinglisten, im Usenet, auf Microblogs oder in Webforen. Die “schneeschmelze” sammelt meine Beiträge, und ich glaube, es steht Deinem “morgenland” schon recht nahe.

    Vor allem aber weiß ich nicht, wie lange es die “schneeschmelze” noch geben wird. Denn irgendwann einmal könnte aller Schnee geschmolzen sein …

  2. Markus schreibt am 2. November 2009

    Jürgen, das ist lustig. Erst beim Lesen Deines Kommentares ist mir wieder bewusst geworden, was an und für sich auf der Hand liegt. Natürlich ist das Blog nicht der Mittelpunkt des Geschehens. Es ist das Schreiben, es ist das Aufnotieren von Gedanken und Erlebnissen und es ist das innere Ordnen, was mit dem Schreiben einher geht. Blogs sind augenblicklich gute Werkzeuge. Sie sind enfach im Handling, ich kann sie nach meinen Vorstellungen gestalten und kann schreiben was ich will und wann ich will. Natürlich schreiben wir alle auch woanders. Du nennst das Usenet (wo wir doch alle angefangen haben) und natürlich sind auch Foren und Mailinglisten Orte gesammelten Wissens (wenn es gut läuft). Zusätzlich könnte man noch private Orte nennen. Offline Schreiben ist schliesslich auch schreiben. Ich habe beispielsweise seit der Bundestagswahl viel geschrieben, dachte aber, dass ich manches davon ersteinmal für mich selber ordnen muss, bevor ich mich öffentlich äussere. Schliesslich will ich keine geistige Verunreinigung betreiben, sondern etwas beitragen, was es so vielleicht noch nicht gibt.

    Übrigens kann ich gut verstehen, dass Du nicht weisst, wie lange es die »schneeschmelze« noch geben wird. Wenn man mich fragt, wie lange ich noch öffentlich Schreiben werde, dann weiss ich darauf auch keine Antwort. Gerade diese konzeptionelle Offenheit ist es, die ich als großen Luxus empfinde. Ideelles Schreiben bedingt (meiner Meinung nach) generell, dass man nicht sagen kann, wie lange man ein Projekt fortführen wird. Vielleicht ändern sich wichtige Voraussetzungen oder man ändert seine eigene Haltung zu seinem Projekt. Man müsste an einem solchen Punkt unbedingt die Kraft haben, alte Zöpfe abzuschneiden und Neues anzufangen. Bislang bin ich aber noch sehr zufrieden mit meinem Projekt. Das kann ich freilich sagen. Was nun die »schneeschmelze« angeht, so hoffe ich ersteinmal auf weitere Beiträge. :)