Sonntags. Kaffee. Zeitung

Offenbach Post

Sonntags um kurz vor 8 Uhr. Aufstehen um 7 Uhr, nach erfolgreichem snoozen und dann ganz langsam in die Gänge kommen. Der letzte Tag im alten Leben. Ich bin gespannt, wie es ab morgen wird. Aber heute werde ich unbedingt sehr gemütlich verbringen. Eben mit der Zeitung und auch mit einem Buch. Aktuell lese ich „The Tortilla Curtain“ (auf Deutsch: América) von T.C. Boyle noch einmal. Das ist meine Vorbereitung auf den Wahlkampf in den USA. Nein, ich will es nicht, dass Amerika von Donald Trump. Aber, ich hör hier schon wieder auf, ich will zurück zum gemütlichen Sonntags-Rhythmus und zum geschriebenen Wort.

Meine Buchmesse 2015

Gutenberg. Buchdruck

In diesem Jahr war ich mal wieder auf der Buchmesse. Ich war im Vorfeld unsicher, ob ich überhaupt hingehen sollte. Ich war dann gleich an mehreren Tagen da. Nach meinem Eindruck hat sich die Messe verändert. Manche Verlage waren gar nicht mehr da und manchmal sogar die gar nicht so kleinen, bei anderen bemerkt man, dass sich die Beziehung zur Messe wohl zusehens verändert. Insgesamt scheint es, als würde die Messe an Bedeutung verlieren. Das Internet fördert die Geschwindigkeit dieser Veränderung heraus und stürzt die Verlagswelt in einen nie gesehenen Sturm. Und dabei wird es wohl nur Verlierer geben, denke ich. Die Verlage verlieren ganz allgemein an Einfluß. Der Leser, das Objekt der Begierde, ist immer mehr ein Kind des Boulevard. Bücher und Texte mit Anspruch haben heuer noch ihre Liebhaber und auch ihre Leser. Bei manchen Verlagen hat aber das Verdrängen von Autoren mit kleiner Auflage bereits heftig begonnen. Natürlich ist es wahr: Wo sich eine Türe schließt, geht oft eine andere Türe auf. In diesem Fall heißt diese Türe Selbstverlag. Ich bin noch unschlüssig, wie ich dazu stehe, so insgesamt. Auf der Messe lauschte ich einem Gespräch zwischen Thees Ullmann und einem Journalisten. Ullmann sagte diesen Satz, dass er vor dem Veröffentlichen seines ersten Romanes dachte, ein Lektor täte vor allem die Schreibfehler korrigieren. Ullmann bedankte sich sehr für das Lektorat und egal, ob das von ihm persönlich vor allem höflich war oder nicht: Viele Autoren brauchen den Lektor. Wer übernimmt diese Arbeit, wenn sich jemand selbst verlegt? Ja, die Verlagswelt ist im Wandel. Das ist ja nun schon seit einigen Jahren zu beobachten. Auf einer Buchmesse kann man diesen Wandel aber in vielfacher Hinsicht wie durch ein großes Vergrößerungsglas aus nächster Nähe anschauen.

Als Leser habe ich ein wenig Angst um diese wundervolle und vielfältige Welt der Bücher. Ich möchte nicht, dass alleine Rechenkünstler, Tabellenschieber und Erbsenzähler darüber entscheiden, ob ein Autor seinen Text veröffentlicht bekommt oder nicht. Ich möchte, dass wir uns alle klarmachen, dass das Buch ein Kulturgut ist und das das geschriebene Wort immernoch die Kulturtechnik ist, die uns voran bringt. Ich stand auf der Messe und war ganz von Glück erfüllt, etwa Anton Cobijns Bildband „1-2-3-4“ in den Händen zu halten und anzuschauen oder Jérôme Gautiers „Dior: Zeitlose Eleganz“. Der Aufwand und die Detailliebe zu derart wunderschön gemachten Büchern ist nicht hoch genug einzuschätzen. Und dann geh ich weiter und muss quasi beim Wagenbach Verlag die Bücher der SALTO Reihe anschauen und anfassen. Digital kann vieles, aber Bücher wie „Puntarelle & Pomodori – Die römisch-jüdische Küche meiner Familie“ von Luciano Valabrega sind was Sinnliches. Sowas kann eben nur das Buch transportieren.